„Stahlzeit lässt Rammsteins Sonne glühen“

Odenwälder Zeitung vom 21.08.2017:

Fürth. Das nunmehr vierte Steinbachwiesen Open Air – benannt nach dem Veranstaltungsort auf dem Gelände des schönen Generationenparks in Fürth – bestätigte am Wochenende einmal mehr mit hochkarätigen Bands und toller Stimmung seine gewachsene und große Beliebtheit – nicht nur bei regionalen Bürgern. So kamen auch in diesem Jahr wieder viele Besucher aus ganz Deutschland.

Von unserer Mitarbeiterin Sarah Stephan

„Zwar war der gestrige Freitagabend aufgrund des Wetters nicht wirklich optimal besucht, aber das tat und tut der Stimmung keinen Abbruch“, verrät Hauptorganisator Kurt Schmitt vom veranstaltenden Verein FC Fürth, der gemeinsam nicht nur mit den Vereinsmitgliedern, sondern auch vielen ehrenamtlichen Helfern und mittlerweile über 30 Gewerbetreibenden der Umgebung dafür sorgte, dass die Festivalbesucher wieder einmal eine atemberaubende Kulisse auf der Steinbachwiese empfing. Hierin steckt viel Vorbereitung und Arbeit, denn neben der riesigen Bühne und den vielen Ständen mit Getränken und Essen, sorgten auch die bunt beleuchteten Bäume bereits ohne die Auftritte der Bands für eine besondere Stimmung bei den Besuchern.

Bunt gemischtes Publikum

Und so kamen auch am Samstagabend bereits lange vor Beginn der Konzerte viele Musikfreunde, die sich schließlich auch an den vielen Stehtischen zusammenfanden und für eine bunte Mischung aus Jung und Alt sorgten, während sie schon ungeduldig auf die regionale Band White Sparrows und die berühmte Rammstein-Tribute-Band Stahlzeit warteten.

So ließen sich Szenen beobachten, in denen gestandene Rocker und Metaller in ihrer „typisch harten und schwarzen“ Kluft mit Bandtribals, gemeinsam mit jungen Menschen in unschuldigem Blümchenkleid oder coolen Baggy Pants fröhlich auf den anstehenden Abend anstießen – ein Bild, das sich in dieser Form immerzu auf Festivals entdecken lässt und zeigt, welchen Namen sich das Steinbachwiesen Open Air bereits gemacht hat.

Und so ließen die White Sparrows auch nicht lange auf sich warten, ließen mit „Es ist nicht so“ gleich fetzigen Akkorden durch die Boxen hämmern und überzeugten einmal mehr mit ihrem Motto „Punkrock aus Südhessen mit sozialkritischen Texten“.

Ihre antifaschistische Haltung – verpackt in mitreißende Akkorde – brachte die Menge sofort zum Tanzen. Neben nachdenklichen Titeln, wie „Greif nach den Sternen“ und „Narben der Vergangenheit“, kritisierte die Band auch in „Lieber Staat“ die momentane politische Lage, um nach vielen Zugabe-Rufen schließlich mit dem Lied, das auch der Titel ihrer aktuellen CD ist, „Sound der Generation“, einem Lebensgefühl eine laute musikalische Stimme zu verleihen, „denn die Musik ist ein Sprachrohr, um auf die Missstände in dieser Welt aufmerksam zu machen.“ Ein gelungener Start des Abends, unterhielten sich nun in der kurzen Pause generationenübergreifend viele über die rockig verpackten Gedanken, diskutierten miteinander und fanden schließlich beim nächsten Bier einen gemeinsamen Nenner.

Hier sollte nun Stahlzeit, als beste Tribute-Band von Rammstein bekannt, noch das gewisse Extra mehr liefern, füllt diese Band normalerweise riesige Hallen und Stadien und kommt dennoch bereits das zweite Mal „zu ihrem kleinen, aber feinen Veranstaltungsort“, dem Steinbachwiesenfestival. Und so starteten sie gleich fulminant und standen nicht nur in ihrer Erscheinung – Frontmann Heli Reissenweber könnte Rammstein-Sänger Till Lindemann glatt als Double dienen –, der gesanglichen und musikalischen Qualität, sondern auch mit ihrer atemberaubenden und im wahrsten Sinne des Wortes einheizenden Pyroshow dem Original in nichts nach.

Ein feuriger Ritt

Und so nahm Stahlzeit die Besucher mit auf einen feurigen Ritt durch die verschiedensten Rammstein-Alben, die jedem Fan genüge taten und der Menge vor der Bühne bei taktgenau passenden Feuer- und Nebelsalven unvergessliche Eindrücke bescherten. So sprühten bei „Asche zu Asche“, „Sehnsucht“, „Sonne“ oder „Mein Herz brennt“ nur so die Feuerfunken aus der Bühnenanlage, den Gitarren und sogar den aufwendigen Westen, die die Bandmitglieder trugen.

Angesichts der Wärmeentwicklung, die allein noch am hinteren Rand des Geländes zu spüren war, lässt darauf schließen, was diese Band hier unter vollem Körpereinsatz ablieferte und was das regionale Technikteam an diesem Abend leistete – kämpften sich so manche tanzende Besucher schwitzend und entkräftet zum nächsten Getränkestand, um nach einem kühlenden Schluck gleich wieder in die tanzende Menge abzutauchen. Nach 20 Songs aus der langen Bandgeschichte von Rammstein wollte daher niemand den Abend enden lassen und so holte Stahlzeit bei der Zugabe mit „Bück Dich“, „Ich will“ und schließlich dem finalen Highlight „Engel“ nicht nur alles aus sich, sondern auch aus der feiernden Menge heraus.

Einmal mehr zeigte sich, dass Musik kritisch, laut, nachdenklich, hart und auch feurig heiß sein kann, aber dabei immerzu generationenübergreifend Menschen miteinander verbindet und das Steinbachwiesen Open Air hierfür eine optimale Bühne ist.

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